Mein Körper und ich

meinkoerperundich.jpgIm Juni bekam ich gleich drei Komplimente von drei ganz unterschiedlichen Frauen und völlig unabhängig voneinander. Meine Figur hätte sich so ins Positive verändert. „Irgendwas muss da ja dran sein“, dachte ich und stellte mich mal ganz bewusst vor den Spiegel.

Mein Körper und ich waren schon immer Kumpels. Nicht die allerbesten Freunde aber auch keine Feinde.

Ich traf in meinem bisherigen Leben schon auf viele Menschen, die enormen Hass gegenüber ihrem eigenem Körper spürten. Das machte mich schon immer etwas traurig.

Lange Zeit mochte ich meine „rießigen“ 41er Füße nicht. Dazu sind meine kleinsten Zehen nicht gerade sondern nach innen geneigt, als hätte ich schon im Mutterleib zu enge Schuhe getragen. Mit der Pubertät entwickelte ich einen weichen, leicht nach vorn gewölbten Bauch obwohl ich insgesamt sehr schlank war. Meine Oberarme sahen dagegen schon immer sehr „unterernährt“ aus. Die Nase wirkte für mich immer einen Ticken zu groß in meinem Gesicht.

Meine langen, schlanken Klavierfinger mochte ich schon immer. Danke für die Gene, Papa.

Ich mag auch meine großen Augen. Und meinen Po.

Nun gut. An den Füßen kann man nicht viel machen. Ich kann ja schlecht die Zehen oder ein Stück der Ferse abschneiden. Ich „dekorierte“ sie hübsch mit French Nails und einem Tattoo. Mit der Zehenkrümmung fand ich mich ab- sind halt die Gene mütterlicherseits. Auch die Nase muss so bleiben wie sie ist. Eine OP kam nie in Frage.

Bauch und Oberarme waren immer so meine „Themen“. Ich versuchte mich immer mal wieder an Sit-Ups und Liegestütze. Blieb ich dran, bekam ich auch Ergebnisse. Dort die Wölbung weg und weiter oben ein bisschen Wölbung hin. Das war aber harte Arbeit, die mir wirklich keinen Spaß machte.

Als das Thema Persönlichkeitsentwicklung zu mir fand, hörte der Spuk auf. 

Vor allem meinen Bauch nahm ich endlich an wie er ist. Inzwischen gab er 10 Monate lang meiner Tochter Raum zum Entstehen und Wachsen. Er hat harte Arbeit geleistet und sieht inzwischen, bis auf ein paar Streifen um den Bauchnabel, genauso aus wie vor der Schwangerschaft. Dankbar bin ich ihm. Inzwischen.

Spricht man mich auf meine Füße an, was durchaus mal vorkommt, schmunzel ich und sage ganz locker „Ich lebe auf großem Fuß.“ Meine Füße tragen mich Tag für Tag durchs Leben. Wie kann ich denen denn böse sein? Sie leisten so viel.

Dann kam Yoga… und damit die endgültige „Egal-Einstellung“ zu meinem Körper.

Sie hat sich so eingeschlichen, ganz unbewusst. Versteh mich aber bitte nicht falsch. „Egal“ klingt nun so, als würde ich nicht mehr auf meinen Körper achten und mich gehen lassen. Genau das Gegenteil ist der Fall 😉

Egal geworden sind mir die „Makel“, die mein Körper hat. Ich sehe sie überhaupt nicht mehr. Ich erfreue mich Tag für Tag daran, wie gut er seine Arbeit macht, wie er funktioniert. Ich bin dankbar für meine Gesundheit. Ich nehme wahr, dass ich im Alltag flexibler geworden bin und dass ich nicht panisch werde wenn beim Strecken das T-Shirt nach oben rutscht und der Blick auf meinem Bauch frei wird.

Ich bin nicht mehr mein Körper- ich habe ihn.

Das zu verstehen brachte ein Gefühl der Freiheit mit sich.

Trotz alledem nahm ich mir Zeit, um mal bewusst das Spiegelbild meines Körpers zu betrachten. Tatsächlich hab ich einen enormen Bizeps bekommen, den ich früher mit meinen paar Liegestütz nie hatte. Meine Oberarme sind fest aber nicht muckibuden-mäßig „aufgeblasen“. Meine Oberschenkel sind nicht dünner aber irgendwie definierter und meine Beine wirken nun insgesamt irgendwie länger. Mein Bauch ist nicht kleiner aber er wirkt straffer, genauso wie meine Brust.

Ob ich abgenommen hab, fragte mich eine meiner Kompliment-Geberinnen zusätzlich und ich verstand in dem Moment überhaupt nicht was sie von mir wollte.

Nun stand ich da vorm Spiegel und dachte: „Aha. Schau mal an. Das kriegt man also mit ein paar Asanas hin.“

Yoga ist echt nicht zu unterschätzen 😉

Einen Höhenflug bekomme ich jetzt aber trotzdem nicht. Ich praktiziere Yoga weiterhin so, dass es mir körperlich und psychisch gut tut. Nicht aus optischen Gründen.

Ich bin ja schließlich nicht (mehr) mein Körper.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s