Angelfreu(n)de in Südschweden

angelfreundeinsuedschweden1Am letzten Sonntag unserer bisher längsten Reise lassen wir uns an einem Badestrand zwischen Liatorp und Femlingehult in Südschweden nieder. Dieser ist noch etwa 190km von Trelleborg, unserem Fährhafen, entfernt. Das passt soweit ganz gut. 

Zum Badestrand gehört ein Steg, ein paar Schaukeln und jede Menge feiner Sand, der zum Sandburgenbauen einlädt. Nebendran ist eine kleine, idyllische Grünfläche, auf der in etwa 10 Wohnmobile Platz finden würden, die glücklicherweise aber nicht hier sind. Nur zu dritt stehen wir hier, was ich sehr genieße.

Ich freue mich außerdem darüber, dass mein Mann einen ruhigen Platz gefunden hat. Und das in Südschweden.

Gegen Mittag trudeln wir ein. Das Wetter ist traumhaft schön genauso wie das Wasser. Wir kochen, baden, schwimmen, tauchen, spielen, toben. Wir quatschen mit anderen auf dem Platz, streicheln einen junge, fröhlichen Hund und lassen es uns einfach gut gehen.

Am nächsten Morgen, ich sitze bereits am Strand und bin in meine Morgenyogapraxis vertieft, höre ich den Mowag tuckern. Als ich zurück zum Platz komme, hat sich eines der beiden Lager aufgelöst. Mein Mann ergriff die Chance und sicherte sich den schöneren Platz, der näher am Strand liegt.

Wenig später hält ein WoMo auf dem Schotterparkplatz. Ich erkenne sofort meine Muttersprache und registriere außerdem zwei Kinderstimmen. Ach das wäre doch prima für unsere Tochter.

Ich gucke ums Eck, winke und grüße gleich mal optimistisch.

Tochter drängt daraufhin auch mal „ums Eck zu gucken“ und schnell befinden sich vier Erwachsene mit drei Kindern auf dem Badesteg.

Ob wir schon lange da sind und wie das hier mit der Bezahlung abläuft, fragt mich der Familienpapa. Ich erkläre ihm, dass hier keine in Schweden übliche Kartenzahlung möglich ist und prompt bilden sich ein paar Schweißtropfen auf seiner Stirn. Zügig bieten mein Mann und ich unsere wenigen letzten Kronen an. „Du kannst mir das ja irgendwann überweisen“, höre ich mich sagen, ohne es wirklich ernst zu meinen. Die paar Kronen würden wir auch verkraften.

Sichtlich froh darüber, dass er nicht nochmal zu einer Bank fahren muss, sucht er sich einen schönen Platz aus. Vielleicht nicht ganz zufällig werden wir Nachbarn und lachen erst mal über die jeweiligen Kennzeichen und darüber, wie wenige Kilometer uns in Deutschland voneinander trennen. Wir stellen einander vor und er zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht als er verrät, dass er den selben Namen wie mein Stiefsohn trägt.

Mit einem Retour Lächeln drückt er mir 20 Euro in die Hand um unsere Geldwechselgeschäfte abzuschließen.

Muss schon seine Ordnung haben. Typisch deutsch 😉 Im Laufe des Tages kommt es immer mal wieder zu zaghaften Begegnungen zwischen uns Großen und auch den Kleinen.

Am späten Nachmittag mache ich mich auf die Suche nach dem Brennholz, das hier irgendwo rumliegen soll, und durchquere dabei das Lager von Jürgen* und seiner Familie. Auf dem Rückweg hält er mich an und fragt, ob wir ein BBQ planen würden. „Nein, zum Grillen haben wir nichts. Wir machen einfach nur ein gemütliches Feuer.“, sage ich zu ihm. „Wir haben ein bisschen eingekauft und ihr könnt mitessen“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ein Wort ergibt das andere und prompt verabreden wir uns zum gemeinsamen Wir-werfen-zusammen-Abendessen.

Jürgen bereitet Paprika und Zucchini für den Grill vor und ergaunert sich damit bei mir mächtig viele Pluspunkte. Ich dagegen packe stolz unser 2kg Käsestück aus, über das ich mich beim Einkaufen schon freute (in Schweden große Mengen kaufen! Viel günstiger!). Wir toasten Brotscheiben, schmeißen ein paar Kartoffeln in die Pfanne und Jürgens Frau Anett bringt noch ein paar Würste mit an den Tisch. Am Ende sind wir alle pappsatt und zufrieden.

Als kleine „Wiedergutmachung“ (ich habe das Gefühl, mich bei Jürgen und Anett durchgefuttert zu haben) übernehme ich den kompletten Abwasch, während die beiden Männer Angel-Pläne schmieden.

Sie würden gerne heute Abend noch auf den See rausfahren. Ich freue mich für meinen Mann, denn er hat immer mal wieder davon gesprochen, dass er bereut, keine Angel mitgenommen zu haben. Außerdem scheint Jürgen ein Mann zu sein mit dem mein Mann gut über Politik fachsimpeln kann. Und inzwischen weiß ich: Bei sowas ziehe ich mich besser zurück. Na dann wollen wir Euch mal nicht aufhalten.

Die Kinder toben noch ein wenig miteinander bevor sie sich bettfein machen. Anett verschwindet mit ihren Minis im WoMo und auch ich bringe unsere Tochter in die Koje. Anschließend sammle ich draußen alles zusammen, was noch so wild umherfliegt, bevor ich es mir im Inneren des Mowag gemütlich mache.

Gegen Mitternacht kommen die Männer zurück.

Im Halbschlaf nehme ich die lustige Erzählung wahr, wie sich die beiden gleich zu Beginn ihres Ausflugs mit dem Boot „festgefahren“ haben. Schmunzelnd schlafe ich wieder ein.

Am nächsten Morgen wollen wir „eigentlich“ aufbrechen, entscheiden aber spontan doch noch einen Tag zu verlängern. Die Kinder freut es ganz besonders. Alle zusammen gehen wir baden und spielen Kartenspiele. Die zwei „großen Kinder“ basteln Angelköder und spekulieren wild darüber, warum gestern kein Fisch angebissen hat. An ihrem Können lag es jedenfalls auf gar keinen Fall 😉

Am Abend führen uns die zwei kleinsten Kinder, Jürgens Sohn und unsere Tochter, ein spannendes Fußballspiel vor, bevor es ins Bett geht. Mit Jürgen führe ich ein kurzes aber schönes Gespräch über meinen Blog und Yoga. Er bemerkt, dass ihm letzteres vielleicht auch gut tun würde denn er nimmt oft seine Arbeit mit nach Hause, ihm fällt das „Abschalten“ so schwer. Ja, das kenne ich.

Erneut wagen sich Jürgen und mein Mann aufs Wasser. Hinterher erfahre ich, dass sie versehentlich den Stöpsel gezogen und plötzlich Wasser im Boot stand. Die haben vielleicht ne komische Art zu Angeln 😉

Auch der große Fang blieb wieder aus. Trotz neuer Köder. Erfolglos waren die beiden Ausflüge aber keinesfalls. Jürgen und mein Mann konnten offenbar gute Gespräche führen.

Tag Nummer 3 begrüßt uns mit Gewitter und Regen. Wir packen langsam zusammen bis es plötzlich an unserer Tür klopft. Jürgen fragt ob wir frischen Kaffee möchten. Mein Mann freut sich. Ich leiere meinen üblichen Text, dass ich kein Kaffeetrinker bin und bekomme direkt Tee angeboten. Ach ist das schön. Wir packen fertig und steigen anschließend bei Jürgen ins WoMo ein.

Der Rest der Familie sitzt noch am Frühstückstisch.

Wir quatschen noch eine Weile und lassen unser Zusammensein langsam ausklingen während es draußen aus Kübeln duscht.

(* Die Namen in dieser Geschichte wurden geändert um die Privatsphäre der Menschen zu schützen.)

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