Seelengespräch mit Michaela

Michaela ist 35 und lebt mit ihrem Sohn in Bayreuth. Sie modelt und stand schon mehrfach vor meiner Kamera. Zum Zeitpunkt unseres Treffens ist sie aber aufgrund einer Bauch-OP krank geschrieben. Sie stellte sich als erstes Versuchskaninchen für mein Projekt zur Verfügung und wir trafen uns zum ersten Mal im „privaten“ Rahmen. Wir sprachen über Social Media, minimalistisch reisen, Geld, Ehrlichkeit und wie viel Ordnung zuhause denn sein „muss“.


Mit Kamera, Diktiergerätapp und einer Packung Chai Latte unter dem Arm, betätige ich Michaelas Klingel. Eine von vielen. Ich stehe vor einem Mehrfamilienhaus in einer ruhigen Ecke Bayreuths. Ich stelle mich auf Treppensteigen ein.

Aus einem unserer vergangenen Shootings weiß ich, dass sie, wie ich, eine Schwäche für Chai Latte hat und hoffe ihr eine Freude machen zu können.

Ich bin ein bisschen nervös denn wir hatten bisher nur „geschäftlich“ zu tun.

Die Tür surrt, ich trete hinein und die ersten Stufen hinauf. Da steht sie schon vor mir und strahlt mich an. Ich bin gleich etwas entspannter. Wegen ihrem Lächeln, aber auch wegen der Tatsache, dass ich nicht in den 5ten Stock hoch laufen muss.

Wir begrüßen uns mit einer Umarmung und ich trete in ihr Reich ein. Ob ich die Schuhe ausziehen oder anbehalten will, überlässt sie mir. Ich entscheide mich dafür sie auszuziehen. Ich mags bequem.

„Du kannst Dich noch dran erinnern….?!“, sagt sie und grinst als ich ihr die blaue Packung mit farblich passendem Schleifchen in die Hand drücke. Wir begeben uns in die Küche und Michaela bereitet uns zwei Tassen zu während sie einen Kuchen anschneidet.

Ich lasse mich auf einer der beiden Couchgarnituren im Wohnzimmer nieder. Den „offiziellen Start“ unseres Gesprächs, verschlafen wir.

Nebenbei, schon mittendrin im Gespräch, schalte ich meine Diktierapp, ein um nicht noch mehr zu versäumen. Wir sprechen über die Fotografie und Social Media.

„Ich bin eigentlich nur noch bei Model Kartei und Instagram.“, erzählt Michaela. Sie betont, dass sie bei Instagram eine „gesperrte“ Seite hat. Die Menschen die ihr folgen möchten, müssen eine Anfrage stellen. „So halte ich meine Stalker fern“, sagt sie schmunzelnd. Sie erzählt weiter:

„Das muss nicht jeder wissen, was ich gerade in meinem Leben mache oder mit wem ich zusammenarbeite. Klar du kannst jederzeit nen Fake Account erstellen, eine Anfrage schicken. Aber wie hast Du mal zu mir gesagt? Das ist noch so eine kleine Hürde. Wer aber so viel Zeit investiert einen Fake Account zu erstellen…„ – Ich falle ihr ins Wort: „… dem sei es dann auch gegönnt Dir folgen zu können.“.

Wir lachen beide.

„Ich hab für mich festgestellt, dass mich dieses ganze Social Media kirre gemacht hat“, sage ich zu ihr. Sie erzählt, dass sie inzwischen nicht mehr dauernd online ist und eher ab und zu ganz flüchtig durchscrollt. „Wenn mich dann Leute fragen warum ich ihre Beiträge nicht like, dann sage ich: >Weil ich nicht online bin.< Ich guck mal kurz drüber. Es interessiert mich nicht mehr so wie früher.“

Vor bereits etlichen Monaten habe ich meine ganze Freundesliste gelöscht und alle Seiten denen ich folgte. Ich habe, so erzähle ich Michaela, „einfach mal alles leer gemacht“. Inzwischen habe ich ein paar ausgewählte Seiten abonniert die mit Motivation, Selbststudium usw zu tun haben. „Wenn Du mein Facebook aufmachst, dann liest Du nur noch ein paar schlaue Sprüche. Mehr ist da nicht mehr“, füge ich hinzu.

Michaela verrät mir, dass sie inzwischen „leider auch schon wieder“ 30 oder 35 Freunde auf ihrer Liste hat.

„1000 Freunde hatte ich bei Facebook. Ich hab das ganze Profil gelöscht. Ich will das nicht mehr. Manch einer fragt mich, warum ich eine bestimmte Person auf der Liste habe und eine andere nicht. Jetzt denke ich mir: >Ich kenne dich nicht persönlich. Ich brauch dich nicht auf meiner Liste.< Dann sind sie halt beleidigt.. is mir wurscht. Ich bin jetzt 35. Ich hab das 34 Jahre lange mitgemacht, schon in der Schule . Und mir geht es viel besser so. Dir geht’s wahrscheinlich genauso. Ich denke mir: >Redet nur. Hauptsache ich bin im Gespräch. Mir geht’s gut.<“

Wir sprechen über „Stalking“, das Ausspionieren anderer Menschen über die sozialen Medien und ich erzähle Michaela wie irre ich es finde, wie viel Zeit Menschen damit verbringen sich über andere zu ärgern oder sich Gedanken über sie zu machen.

„Wenns was positives ist“, sagt Michaela, „ist es ja ok. Wenn man sich fragt wie es der Viola denn geht.. aber das ganze Stalking braucht es nicht.“

Wir kommen auf das Thema Reisen und das meine Familie und ich nun viel in der Natur unterwegs sind. Ich strahle und sage „Das ist Hammer!“

Michaela spricht die Ostsee an und ich merke ihr die Begeisterung an. „Dein Reiseziel das Du noch suchst…“, sagt sie, lächelt und spielt damit auf einen meiner letzten Blogbeiträge meiner alten Website an, indem ich darüber schrieb das wir so unentschlossen unser Reiseziel für den Sommerurlaub suchten. Auch die Ostsee schaffte es in die engere Wahl.

„An der Ostsee“, erzähle ich, „war ich ja nun schon ein paar Mal. Mit dem Mowag noch nicht aber das kommt vielleicht noch. Wir haben unser Reiseziel ja nun gefunden. Wir wollten erst über die Mecklenburgische Seenplatte an die Ostsee hoch. Mein Mann schlug dann aber eine Tour durch Tschechien vor. Ich hielt Frankreich für ein schönes Ziel. Plötzlich stand, total weit weg, Albanien im Raum. Wir stellten dann beide fest, dass es vielleicht doch etwas zu weit weg ist. Letztes Jahr waren wir ja in Norwegen, nur mit dem Auto und dem Zelt…. „

Michaela findet das cool. Sie ist ebenfalls der Typ der einfache Urlaube mag. Sie erzählt von ihrem Urlaub am Brombachsee, gemeinsam mit ihrem Sohn. „War vielleicht nicht so bequem aber es ging auch.“ All Inklusive habe sie aber auch mal ausprobiert, sagt sie.

Ich berichte ihr von unserer Norwegen Reise 2017 und wie wir unser Auto dafür ausgebaut hatten. Wir schliefen im Auto und auch im Zelt, je nachdem wo wir gerade standen und wie wir Lust hatten das Zelt aufzubauen. Viel Stauraum hatten wir im Auto also nicht. Wir stopften in jede noch so kleine Ritze.

Da überlegst du dann schon was du denn wirklich braucht, mit wie viel man auskommt. Dieses Minimalistische, das Fokussieren hat mir total gefallen.“, sage ich ihr und Michaela stimmt mir zu.

„Ja genau so hatten wir das auch. Auto und Zelt und dann bist du halt zu Edeka gefahren und hast dir Cornflakes, Milch, was du halt brauchst, geholt . Mittags hast halt mal echt ne Pizza geholt oder einfach Brot, Wurst… wir waren halt wirklich die meiste Zeit am Strand, am Wasser. Da brauchst halt was zu trinken, ok, aber sonst… Die Leute fragen: >Wie machst du das immer mit den günstigen Urlauben?< Aber man braucht ja nicht viel.“

Ich gebe ihr Recht und erzähle, dass wir für unsere Schwedenreise 2018 lediglich die Fähre gebucht haben und alles andere auf uns zukommen lassen wollen. Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir nun aber schon etwas Luxus. Ein festes Bett, einen guten Gaskocher. (Nachtrag: Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs wusste ich noch nicht, dass unser Mowag in Deutschland bleiben würde)

„Mit Kind braucht man da schon ein bisschen was“, meint Michaela, wobei ich ihr nicht unbedingt zustimmen würde. „Das ging letztes Jahr wirklich gut. Das war mega. Die Kleine erzählt jetzt noch dass sie wieder nach Norwegen möchte. Norwegen hier, Norwegen da.“, schwärme ich genauso wie unsere Räubertochter.

Mein Sohn sagte gestern“, fing Michaela ein neues Thema an, „Geld regiert die Welt.“

Sie fragte ihn wie er denn darauf kommt und er erzählte, dass man das doch schon in der Schule erkennt. Die Kinder mit den guten Klamotten und dem vielen Zeug sind die Beliebten. Wenn er da ankommt, wo er nicht so viel hat…

Michaela: „Ich hab ihm dann nen guten Satz gesagt wo ich im Nachhinein für mich – also manchmal sag ich Sachen zu meinem Kind wo ich denke warum hast du dir das selbst nicht schon längst mal gesagt (lacht) – Geld regiert leider die Welt, es ist nun mal so, deswegen muss man gut verdienen damit man nicht dasteht und nix hat aber man sollte sich nicht vom Geld regieren lassen.“

Ich stimme zu und schreibe mir diesen Satz direkt in meinen Notizblock.

„Geld regiert die Welt“, fuhr Michaela ihre Überlegungen aus, „aber Du darfst Dich nicht vom Geld regieren lassen. Du musst zwar Geld haben damit Du was zu essen kaufen kannst, Deinem Kind was gönnen zu können, Ausflüge machen zu können aber Du darfst Dich nicht davon regieren lassen. Du darfst nicht schlecht über andere reden die es nicht so gut haben.“

Ich denke an den schlauen Spruch mit der Arbeit und dem Leben. Michaela hilft mir auf die Sprünge.

Lebe nicht um zu arbeiten sondern arbeite um zu leben.“ Da ist was dran finden wir beide.

Wir sprechen über die Konsole die sich Michaelas Sohn gewünscht hat, für die er aber selbst sparen musste. Sie beschreibt mir das Gerät, an dem noch ein kleineres Teil dran ist das „portable“ ist. Ich runzle die Stirn und amüsiere mich ein bisschen. „Ich versuche mir seine Wörter anzugewöhnen um mitzuhalten“ – „Also es ist tragbar.“ – „Genau.“ Wir lachen beide. Ich glaube wir sind beide schon steinalt.

Michaela führt die Geschichte weiter aus. „Er fing dann also das Sparen an und dadurch wissen Kinder das doch auch viel mehr zu schätzen als wenn sie alles sofort bekommen.

Von ihm kam die Frage, ob er noch ein Eis bekommt. Ich verneinte, weil er an dem Tag schon eins hatte, er müsse es selbst von seinem Taschengeld bezahlen. Er überlegte dann und sagte: >Ach nee, das Geld brauch ich für meine Nintendo Switch.< Die denken so mehr drüber nach. Was Geld für nen Wert hat.“

Mehr Bewusstsein schaffen. Das finde ich gut.

Sie erzählt sehr offen darüber, dass sie für ihren damaligen Lebensgefährten einen Kredit aufnahm um mit ihm in den Urlaub fahren zu können. „Der hat gut verdient, der konnte sich das leisten. Ich kam mir da so minderwertig vor. Jetzt im Nachhinein sag ich mir, ich war total blöd. Ich zahle heute noch diesen scheiß Kredit ab, verdammt.“ Sie lacht aber mir fällt so ein bestimmter Unterton auf.

„Klar war es mal schön so einen Urlaub zu haben aber heute denke ich, dass ich blöd war. Ich wollte ihm gefallen, hab nen Kredit aufgenommen um in den Urlaub zu fahren.. was hatte ich davon eigentlich. Nach drei Jahren Beziehung musste ich mir noch anhören: >Für euch würde ich keinen Cent bezahlen. Du musst schon selbst gucken wie du klar kommst.< Hey ne Familie werden.. so wird man keine Familie. Da muss man zusammen halten.“

Die Formulierung „ihm gefallen wollen“ liegt mir im Magen und ich spreche Michaela darauf an.

„Ja man will diesen Menschen gefallen oder sich anpassen. Das hab ich aber jetzt abgelegt. Ich pass mich nicht mehr an. Entweder mögen die Menschen mich so wie ich bin oder eben nicht.“

Michaela spricht von ihrem Sohn. „Verhaltensauffällig“ sagt man über ihn. Damit muss ein potenzieller Partner auch erst mal zurecht kommen.

Sie sagt sie sei im Moment lieber ohne Partner statt jemanden zu haben mit dem sie sich bezüglich ihres „schwierigen“ Sohnes streitet.

„Kannst du gut alleine sein mit dir?“, frage ich sie. „Bis letztes Jahr nicht. Ich hab mich schnell in Beziehungen gestürzt. Und wenns keine Beziehung war dann eben jemanden zum Spaß haben, mal ein paar Stunden. Bis letztes Jahr dachte ich das muss so sein. Im Moment weiß ich gar nicht ob ich noch eine Beziehung haben will, weil es mir gerade so gut geht.“

Ob es ein Schlüsselerlebnis gab möchte ich von ihr wissen.

„Ja. Als ich letztes Jahr im Krankenhaus war. Ich lag da und dachte mir: >Du liegst hier und bist völlig kaputt.< Durch den Stress bekam ich Untergewicht und Gürtelrose. Das tat alles so weh. Ich hatte überall Pickelchen und Eiterbläschen. Aber da kam immer so ein süßer Pfleger der mich schön eingecremt hat…“ Sie lacht.

Michaela erzählt, dass sie sich in diesem Moment gefragt hat warum sie eigentlich hier ist. Warum sie es soweit hat kommen lassen.

Mit nur noch 55kg bei 176cm konnte sie sich kaum noch auf den Beinen halten.

Sie zeigt mir ein Selfie. Nein, so dünn kenne ich sie nicht. Wir sprechen über unser letztes Treffen. Ein Shooting bei einem gemeinsamen Bekannten. Ich war als stille Beobachterin dabei und war schon damals überrascht darüber wie schlank sie geworden war. Dabei hatte sie damals noch „viel“ auf den Rippen.

Michaela erzählt, dass vor allem in der Fotografenszene nun über sie geredet wurde. „Das Model.. meint jetzt auf Magersucht machen zu müssen“. Kaum einer interessierte sich dafür was wirklich los war.

Darüber kommen wir auf das Thema Ehrlichkeit und wie viel Direktheit eine Freundschaft aushalten kann oder sollte.

Michaela: „… aber wenn die nicht erkennen, dass ich es ja gut meine mit ihnen wenn ich sie auf das Problem hinweise, dann ist das auch kein Freundschaft. Wer mich kennt weiß, dass ich das nicht böse meine. Auf diesem Trip bin ich momentan . Ich sage was ich denke. Aber auch wenn ichs böse mein sag ich das so (lacht)“

Ich berichte ihr das ich Ehrlichkeit derzeit auch intensiv übe. Ehrlich aber dennoch respektvoll sein. Nicht angreifend oder beleidigend.

Michaela erzählt das sie das teilweise schwierig findet. „Ich muss noch lernen meine Wut zu zügeln. Wenn mir jemand etwas Schlechtes will erst mal abwarten, schlucken. Und überlegen“, sagt sie.

„Emotional kann man keine rationalen Entscheidungen treffen und sagt vielleicht auch mal Dinge die arschig sind. Das ist es was ich mir vor Augen halten. Wobei es schon viel besser geworden ist…“, berichte ich ihr.

Michaela: „Ich kann das noch nicht so. Mir rutschen Sachen raus wo ich denke, ja ich hab das in dem Moment wirklich gedacht als ich es aussprach, aber musste das wirklich sein?“

Sie erzählt von ihrem Sohn, der ihr vor ein paar Tagen sagte das sie eine schlechte Mutter sei und überall lieber wäre als bei ihr. „Ja er hat das gesagt weil er sauer war.“, sagt sie. Trotzdem erkenne ich ihren Schmerz und kann ihn ein Stück weit nachempfinden.

„In dem Moment“, setzt sie ihre Erzählung fort, „ist mir gekommen das wir doch die Erwachsenen sind. Wir müssen vorher nachdenken. Als er dann kam und sich entschuldigte sagte ich zu ihm du musst doch vorher überlegen was du sagst. Dann dachte ich scheiße das musst du eigentlich selbst auch so machen.“

Etwas später beginnen wir mit dem Thema Ordnung und Sauberkeit. Ich erzähle das ich eine gewisse Ordnung brauche, es aber nicht steril mag.

Ich würde Dir nicht empfehlen von meinem Boden zu essen aber es ist aufgeräumt und ordentlich.“

Michaela stimmt mir zu und erzählt das sie im Moment, aufgrund der OP, ohnehin nicht so viel machen kann. „Das Schlafzimmer ist erst mal Sperrgebiet.“

Ich finde das völlig in Ordnung. Wer befielt mir denn auch jedem meine Bude zeigen zu müssen? Ich frage mich ob das eine Art Geltungsbedürfnis ist, das manche Menschen haben.

Michaelas Spülmaschine ist seit etwa einem Jahr kaputt. Wie ich muss sie nun von Hand abspülen. Da sammelt sich schon mal ein bisschen an wenn man körperlich nicht fit ist. Ich werfe ein:

„Ich will aber auch nicht Abspülen müssen. Ich möchte das machen worauf ich Lust habe. Ich möchte Abspülen weil ich es möchte, nicht weil ich muss. Jetzt war ich mit meiner Küche dann aber doch an diesem Punkt wo der Leidensdruck zu groß war.“

Langsam kommen wir zum Ende unseres Gesprächs. Ich frage Michaela was ihr im Moment wichtig im Leben ist. „Gesundheit“ sagt sie. 2003 hatte sie einen schweren Unfall. Es folgte eine Not Operation die nicht gut verlief.

Ich habe ständig gebrochen. Die Leute sagten, ich sei ein Psycho, brauche Mitleid. Ständig hatte ich Migräneanfälle. Alle wollten mir einreden, dass ich mir das einbilde.“

Bereits eine Woche nach der Not-OP kam es zum ersten Narbenbruch. „Normal kommt da ein Netz rein aber das hab ich nicht bekommen.“

Die körperlichen Beschwerden halten an. 15 Jahre später beginnt Michaela nachzubohren. Sie geht zu verschiedenen Ärzten. Auf dem Ultraschall war nichts zu erkennen, dennoch spürte sie, dass irgendwas nicht stimmt. „Da musst Du selbst dem Arzt erklären was Du eigentlich hast“, sagt sie verärgert, „aber gemacht wurde trotzdem nichts“.

Erst eine Chirurgin kam drauf was los war. „Sie drückte zweimal drauf.. Narbenbruch… Bingo.“ Ihre Bauchdecke wurde nochmals geöffnet. Dabei fand man auch Stücke ihrer Milz, die bei dem Unfall vor 15 Jahren (!), in ihre Einzelteile zerrissen wurde.

Sie zeigt mir ihre Narbe. „Du bekommst jetzt einen Striptease auf andere Art“, sagt sie zu mir und lächelt.

Einen Seelenstriptease“ hängt sie an und ich fühle mich tief mit ihr verbunden.

„Die Narbe hat bisher keiner so richtig fotografiert. Damals auch nicht. Ich hab sie immer retuschieren lassen.“

Wenig später ist es Zeit für mich zu gehen. Michaela packt mir einige Stücke des Honigkuchens ein, den ich bei unserem Gespräch total vergessen hatte, bevor ich aufbreche. Ich habe nämlich völlig die Zeit vergessen.

Beim Verlassen der Wohnung fällt mir auf, dass zwei Fotos, die ich gemacht habe, im Flur hängen. Auf ihrer neuen Visitenkarte ist ebenfalls ein Foto das aus meiner Kamera stammt. Mir wird nochmal ganz warm ums Herz.

Shooting mit Beate

Guten Morgen,

heute möchte ich Dir ein bisschen vom Shooting mit Beate erzählen, deren Aufnahmen ich gestern zeigte.

Sie war Mitte des Jahres bei mir, nachdem ich in einer regionalen Facebook Gruppe nach „Models“ gefragt habe.

Daraufhin bekam ich einige Mails, Beate war jedoch die einzige bei der es tatsächlich zum Shooting kam.

Wir verabredeten uns für einen Dienstagvormittag und zauberten ein paar schöne Ringlichtportraits sowie die gezeigten sinnlichen Fotos mit etwas weniger Stoff.  Weiterlesen

Sinnliches

Hi ich grüße Dich,

Mitte des Jahres hatte ich ein ganz wundervolles Shooting mit Beate. Sie meldete sich nach einem Aufruf in einer regionalen Facebook Gruppe bei mir. Warum es so wundervoll für mich war erzähle ich Dir in einem „Hinter den Kulissen“-Bericht.

Bis dahin zeige ich Dir die drei schönsten Aufnahmen, die entstanden sind.

 

Seelengespräch mit T.

T. studierte und arbeitet in Berlin. „Zuhause“ ist sie in Oberfranken. Sie häkelt, strickt, näht und spinnt gerne und ich bewundere oft ihr Geschick diesbezüglich. T. wuchs ohne ihren Vater auf. Zu Ihrer Mama und auch zu ihrer Oma, die vor zwei Jahren starb, hat/hatte sie deshalb eine außergewöhnlich enge Bindung. Unter diesen Umständen stellen in ihrem Leben aber auch die Themen Vertrauen, Bindung, Bestätigung oftmals Probleme dar. T. wog bei einer Körpergröße von 172cm über 90 kg. Inzwischen bringt sie etwa 63kg auf die Waage. Zufrieden mit Ihrem Körper ist sie dennoch nicht. Wir kennen uns bereits seit über 10 Jahren. Trotzdem wagten wir es, uns im Zuge meines Projekts ganz „neu kennen zu lernen“.


Mit Kameras, Funkauslöser, Handy, Diktiergerätapp und einem kleinen Notizbuch als Mitbringsel kehre ich bei T. bzw in die Küche ihrer Mama ein.

Einen konkreten Plan haben wir nicht. T. ist sich nicht sicher ob sie sich zeigen oder lieber anonym bleiben möchte. Wir wissen nicht genau worüber wir sprechen könnten und nehmen uns deshalb vor uns erstmal „normal“ zu unterhalten und mögliche Themen zu besprechen bevor wir aufzeichnen wollen.

… aber da sind wir schon mittendrin.

Ich erzähle von meiner Meditationspraxis, von dem klischeehaften Lotussitz und wie ich momentan mit unguten Gedanken umgehe. Ich male ihr in den buntesten Farben meine Vorstellung eines Hochhauses in den Kopf, auf dem ich sitze, die fahrenden Autos (=Gedanken) beobachte, sie aber nur aus der Ferne betrachte und mich nicht weiter mit ihnen beschäftige.

T. erzählt vom Umgang mit einer Freundin, der ihr momentan etwas schwer fällt weil sie sich unverstanden fühlt. Wir vertiefen dieses Thema und kommen zu den Gedanken, dass es so unglaublich viele verschiedene Menschen gibt und dementsprechend auch verschiedene Herangehensweisen wenn es um Herausforderungen geht. Das zu akzeptieren scheint manchen Menschen nicht immer zu gelingen.

„Ganz nebenbei“ stelle ich meine Kamera mit Stativ und Funkauslöser auf und schalte meine Diktierapp ein.

Trotzdem geraten wir beide etwas ins Stocken. Ungewohnt ist das „beobachtet“ zu werden.

T. holt ihren Kalender um sich eventuell gute Impulse aufschreiben zu können und wir sprechen über linierte, karierte und „punktkarierte“ Hefte, die ich bis dato noch gar nicht kannte. T. betont das sie beim Schreiben ein bisschen den „Halt der Linien“ bräuchte. Ich dagegen schreibe gerne auf leeres Kopierpapier um mich „frei“ zu fühlen.

Während T. einen „Party-Meerschweinchen Kalender“, für den sie sich „manchmal auf der Arbeit schämt, ihn aber dennoch mag“, ein Glückstagebuch und ein Buch für ihre Gedanken, „die sie loswerden bzw aus dem Kopf bekommen möchte“, besitzt, habe ich lieber alles zusammen.

T. liebt es ganze, viele und lange Sätze zu schreiben während ich ein Freund von Stichpunkten bin, die ich übrigens mit einem + einleite und nicht mit einem Gedankenstrich weil ich diesen als negativ empfinde (Gedankenstrich = Minus = negativ).

So unterschiedlich sind also unsere Aufzeichnungen.

T. notiert sich die Gedanken „Entscheidungen treffen“ und „Tut mir das gerade gut?“, der vor unserer Tonaufzeichnung aufkam.

Wir kommen auf das Thema Hobbys, Häkeln/Stricken/Nähen und T.s Gedanke, der hin und wieder aufploppt, alles zu verkaufen weil sie manchmal „zu wenig Zeit“ dafür hat. „Dieser Kram der in meinem Schrank liegt macht hauptsächlich ein schlechtes Gewissen“. Eine große Auswahl an Wolle zuhause zu haben ist prima. Toll anzuschauen ist das auch. Aber oft kommt da das schlechte Gewissen.

Sie erzählt mir vom Sommerfest der Obdachlosenhilfe, bei der gemeinschaftlich gestrickt wurde. Ein großer Karton Wolle stand zur Verfügung, tausend Farben in toller Qualität, noch mehr Möglichkeiten diese zu kombinieren. So macht das Hobby Spaß.

Ich frage mich und auch T. ob dieses Hobby zuhause so gut umsetzbar ist.

Das Hauptproblem zuhause, sagt sie, sei eher dieser Gedanke „Ich brauche doch nichts. Ich hab doch alles“. T. möchte Stricken um des Stricken willens, nicht wegen des entstehenden Produkts. „Ich hab schon fünf Schals. Ich brauche keinen sechsten Schal! Aber es macht mir Freude.“

Das Stricken für die Obdachlosenhilfe macht ihr Spaß weil die gestrickten Schals dort einen „Sinn“ haben. Die fertigen Sachen zuhause liegen meist nur rum.

T. erzählt von dem Gedanken einer „Geschenkekiste“. Stricken auf Vorrat. Jeder darf reingreifen wenn er Bedarf hat. So verstaubt nichts. Außerdem bereitet es T. große Freude zu schenken. Dieser Gedanke der Geschenkekiste gefällt auch mir.

Das Wort „Wertschätzung“ ploppt in mir auf.

Fühlt sie sich und/oder ihre Arbeit gewertschätzt wenn sie diese Schals, Handschuhe und Mützen verschenkt? „Ja, doch, ich glaube schon“, sagt sie. „Aber das war gar nicht so der ausschlaggebende Punkt. Eher hatte ich das Gefühl das sich der Beschenkte einfach freut weil er etwas für ihn wertvolles geschenkt bekommen hat.“

Nach einer kurzen Pause zeigt mir T. ein Foto auf ihrem Handy. Sie verwendete dieses Foto beim Friseur als sie sich die Haare kurz schneiden lies. „So wäre ich gern“, sagt sie. Ich möchte wissen was die Frau auf dem Foto für sie ausstrahlt. „Selbstbewusstsein. Eleganz irgendwie. So ein bisschen distanziert, abgeschottet von der Welt.“ Solche Fotos hätte sie gerne von sich selbst.

Sie wäre gerne „näher bei sich selbst“, wünscht sich „Glamour“ im eigenem Leben. Nicht im finanziellem Sinn sondern indem man mehr auf sich achtet, das macht womit man sich gut fühlt. „Mehr Ausstrahlung. Eleganz. Nicht so schlotzig daher kommen, auf sich selbst achten. Aber nicht übertrieben, nicht sich für alles zu schade zu sein….“

Ist das negativ sich für etwas zu schade zu sein frage ich mich. Und anschließend sie. „Wenn du nachfragst.. nein eigentlich nicht.“

Ich empfinde die Aussage „sich für etwas zu schade sein“ etwas unglücklich formuliert. Die Botschaft dahinter finde ich aber nicht schlimm, sogar gut. Zu sagen „das mache ich nicht, mir ist meine Zeit zu wertvoll“ finde ich in Ordnung.

T. sagt auch: „Ich möchte für mich selbst einen gewissen Standard. Nicht finanziell, sondern im Umgang mit mir selbst. Aber ich würde nie erwarten, dass sich andere an mich anpassen. Was ich nicht gut finde ist, jemanden schlechter zu behandeln, weil er anders ist. Für mich passt das, ich würde das anstreben. Aber es ist kein allgemein gültiger Anspruch an die Welt.“

Empfindest du dich selbst als unelegant?“, frage ich T. ganz verwundert denn das Wort passt in meinen Augen gar nicht zu ihr.

„Ja. Ich finde mich ganz oft trampelig. Das ist vielleicht auch ein Grund warum ich immer weiter abnehmen möchte. Ich habe das Gefühl ich brauche zu viel Platz in der Welt, ich steh im Weg, ich möchte mich unsichtbar machen, bin ungeschickt, trampelig, tollpatschig.“

Sie erzählt von ihrer Reise nach Amsterdam und dem Besuch eines „Schulungshotels“. Jede große Hotelkette hatte dort jeweils ein Zimmer eingerichtet, die angehenden Hotelfachfrauen und -männer „übten“ dort. „Die Zimmer waren alle ganz ganz großartig und meine Kollegin kommt rein und sagt „Boah das ist voll schick. Das passt voll zu Dir!“ Das war ein sehr schönes Kompliment. Ich glaube es war ein unbewusstes Kompliment für sie. Ich hab mich unheimlich darüber gefreut.“

Ich frage T.: „Wenn Du so ein Kompliment bekommst, gerät da Deine Selbstwahrnehmung ins Wanken? Du hast Dich darüber gefreut aber kommt da auch der Gedanke sie nimmt mich ganz anders wahr als ich mich selbst wahrnehme?“ – „Mittlerweile schon aber das ist ein sehr junges Phänomen. Seit ich angefangen habe zu arbeiten glaube ich.“ ihre Antwort.

Wir setzen den Gedanken fort und sprechen auch über die Wahrnehmung der Menschen um sie herum.

Andere Menschen finde ich eigentlich zu 99% immer schön. Egal welche Figur und wie dick, dünn, hoch, breit, grün gepunktet sie auch sind.“ Wir lachen. „Nur bei mir nicht.“

Sie erzählt von einer Kollegin die übergewichtig ist, die sie aber dennoch als schön und „normal gewichtig“ ansieht. Auf einem Gruppenfoto stellt T. fest wie groß der Unterschied doch ist zwischen ihr und der Kollegin, das man das Übergewicht eben doch sieht. Wir sprechen über das Vergleichen, das T. so vertraut ist. Das Vergleichen zwischen ihr und anderen Frauen. „Seh ich auch so aus? Bin ich dicker? Bin ich dünner?“. Diese Gedanken spielen sich regelmäßig in ihrem Kopf ab.

Ich finde Vergleichen doof. Mir fällt ein Zitat von Christian Bischoff ein. Sinngemäß etwa: Der einzige Mensch mit dem Du Dich vergleichen solltest ist der Mensch der Du gestern warst.

T. erzählt davon das sie früher, als sie übergewichtig war, ohne Scham Shorts getragen hat. Heute fällt ihr das schwer obwohl sie doch nun „die Figur dazu hätte“. Sie zeigt mir ein Foto von sich in Shorts von ca. 2012 und eines von 2018. „Ich habe das Gefühl je mehr ich abgenommen habe desto mehr Selbstbewusstsein ist auch gegangen.“ Sie sagt sie schaut dieses Foto von früher an, fühle sich aber immer noch genauso wie damals. Ich frage mich ob T. in ihrem neuen Körper „angekommen“ ist. Sie verneint. „Dieses Foto drückt mein komplettes Körpergefühl in nur einem Bild so gut aus.“

Wie ist der Blick in den Spiegel für Dich? Stellst Du Dich vor einen Ganzkörperspiegel? Fällt Dir das schwer?“, möchte ich wissen.

„Es fällt mir schwer. Und es kommt meist nichts Positives bei raus. Es ist mehr ein Abchecken ob die Fehler, Makel, Unannehmlichkeiten noch vorhanden sind. Abnehmen hinterlässt halt auch seine Spuren. Und mit diesen kann ich mich überhaupt nicht anfreunden.“ Sie berichtet von Frauen in diversen Abnehmgruppen die mit Stolz ihre Spuren zeigen. Sie selbst kann diesem Gedanken nichts abgewinnen. Unfair findet sie das manchmal. Das sie so hart gearbeitet, so viel abgenommen hat und nun ja trotzdem keinen schönen Körper hat.

„Gibt es eine Zeit in Deinem Leben in der Du Dich wirklich als schön empfunden hast?“, möchte ich wissen. Sie ist sich nicht sicher ob es ganze Zeitspannen gab. Einzelne Momente gab es aber glaubt sie. Sie erzählt von einer Phase, sie war Anfang 20, in der sie sich „ganz gut“ fand, sie „lustigerweise“ aber noch gar nicht bewusst mit dem Abnehmen begann.

Hast Du mal überlegt wieder zuzunehmen um Dich vielleicht besser zu fühlen?“. Diese Frage kommt mir über die Lippen und wie ich sie ausspreche finde ich sie irgendwie skurril und absurd.

Aber T. sagt mir: „Ja tatsächlich habe ich darüber im letzten Monat nachgedacht. Vielleicht habe ich ein „dickes Ich“ in mir und vielleicht wäre das die Lösung für so ein paar Probleme. Vielleicht auch um mich selbst wieder einordnen zu können. Beispielsweise folge ich bei Instagram eher Plus Size Models statt Fitness Gurus. Zum Einen finde ich es optisch nicht so erstrebenswert, zum Anderen weil solche Fitness Gurus auch immer so negative Gefühle auslöse… das ich das nicht schaffe… aber ja, der Gedanke war tatsächlich da.“

Ich möchte wissen wie T. sich eigentlich gefallen würde. Alles Oberflächliche beiseite geschoben, die Gesellschaft, was wir als „schön“ empfinden. Das alles mal ausgeblendet. „Ich mag die Sanduhrfigur, womit ich ja quasi auch Glück hatte. Wenn ich so drüber nachdenke würde ich glaube ich gar nicht so viel verändern zum Jetzt. Ich hätte insgesamt gerne wieder straffere Haut, ein bisschen schmalere Hüften und ein bisschen mehr Brüste, die durch die Abnahme einfach ein bisschen ins Ungleichgewicht geraten sind.“

Mir ist noch was eingefallen wo ich mich schön fand“, sagt T. plötzlich. „Auf den Zombie Fotos! Die hängen auch bei mir an der Wand und da guck ich drauf und fühl mich gut.“

Auf diesen besagten Fotos hatte T. noch etwas mehr auf den Hüften, ich fand sie„menschlich“. Für mich persönlich hatte sie zu diesem Zeitpunkt die „Idealfigur“ und sie gefiel mir damals total gut. „Ich fand Dich da figurtechnisch schön. Total. Und da hattest Du etwas mehr drauf“, sage ich ihr. „Ja. 4 Kilo denke ich“, antwortet sie darauf. „Mehr nicht? Gleich ne Pizza bestellen“, sage ich lachend.

Die Zombiefotos entstanden im November 2015.

Wir kommen zum Thema Schönheits- speziell Brustoperationen. Große Brüste sind für T. ein Schönheitsideal, sagt sie. Aufgrund der Gewichtsabnahme (30kg!) kommt auch der Gedanke an eine Brust OP oft auf.

„Das ist halt so eine Gratwanderung zwischen Selbstliebe und Optimierungswahn. Ich bin mehr als meine Brüste, Selbstliebe, Akzeptanz und so weiter… oder aber ich bin es mir Wert das ich glücklich bin und lösche diesen Faktor der mich belastet einfach aus.“

Ein schwieriges Thema für mich. Eine Brustoperation käme für mich nicht in Frage. Ich hätte das Geld dafür nicht und hätte ich es, wäre ich zu geizig es dafür auszugeben. Außerdem finde ich gemachte Brüste, die oft unnatürlich vom Rest des Oberkörpers abstehen, schlicht nicht schön. Brüste hängen nun mal von Natur aus. Manche mehr, manche weniger, abhängig von Form und Größe.

Ich finde das läuft in unserer Gesellschaft auch total verkehrt. Uns wird eingetrichtert das abstehende Brüste normal sind. Nein das ist nicht normal. Das ist unnatürlich“, sage ich vielleicht ein wenig aufgebracht.

Außerdem komme ich zu dem Gedanken das Selbstliebe trotzdem über OPs geht. Fehlt es an Selbstliebe wird nach der Brustoperationen vermutlich das nächste Körperteil gefunden das „fehlerhaft“ ist. Und das nächste und das nächste. Ein Hamsterrad. Und letztendlich eine Barbie Puppe die letztendlich immer noch unzufrieden mit ihrem Körper ist.

„Das ist ein Gedanke den ich auf jeden Fall mitnehmen werde.“, sagt T.. „Das gemachte Brüste doof sind?“. Wir lachen.

„Nein wieder zuzunehmen. Vielleicht ist das wirklich ein Weg. Oder vielleicht auch einfach nicht mehr abnehmen zu wollen. Anzukommen. Ich hatte jetzt die ganze Zeit den Gedanken weiter abzunehmen. Vielleicht könnte ich es schaffen unter 60kg zu kommen aber, wie Du schon sagst. bleibt dann die Frage ob das überhaupt was bringt? Ob nicht Selbstliebe, Selbstfürsorge und Akzeptanz die Dinge sind auf die man den Fokus legen sollte statt auf Kalorien zählen und Sport? Es hat sich nach 30kg abnehmen nicht soo viel verändert – vom Gefühl her. Warum dann bei den letzten drei oder vier Kilo?“ Ein schöner Gedanke finde ich.

Zum Schluss erzählt T. noch von den für sie „schönen“ Fotos die bei einem unserer Berlin Besuche entstanden. Mein Mann, T.s Freund, T. und ich verbrachten einen Nachmittag an der Ostsee.

Das ist eine Gedankensackgasse in der ich da gerade stecke. Ich weiß das ich da eins meiner niedrigsten Gewichte hatte. Irgendwie hat sich das eingebrannt. Ich mag mich dann wenn ich dieses Gewicht wieder habe.“

Mir kommt ein Gedanke und ich falle ihr ins Wort. „Hast Du mal in Erwägung gezogen das Dir die Ostseefotos gefallen weil das ein gutes Erlebnis war? Dass das mit dem Gewicht gar nicht viel zu tun hat? Du schaust auf die Fotos, fühlst Dich wieder rein in diese schöne Situation in der wir waren….“

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„Das kann sein. Auf das Gewicht bin ich aber vor allem gekommen weil ich mir da optisch mal gefalle. Aber vielleicht auch weil es ein schöner, emotionaler Moment war. Ja…“

Ich mache mir selbst im Geiste die Notiz dass ein technisch perfektes Foto noch lange nicht gerne angesehen wird. Das auch „der Moment“ wertvoll sein muss damit man das „perfekte“ Foto gerne anschaut.

Den Abschluss unseres Vormittags bildet ein Fotoshooting im Sonnenschein, aus dem ich vielleicht noch ein paar Aufnahmen zeigen werde.

Vielen lieben Dank für Dein offenes Herz!

T. möchte einige Zeit nach unserem Gespräch noch etwas zu meinem Beitrag ergänzen.

„Seit ungefähr 6 Wochen beschäftige ich mich näher mit den Themen Selbstfürsorge und Achtsamkeit. Drei Wochen sind seit dem Gespräch vergangen. Und es hat sich einiges getan.

Allgemein zieht sich das Thema Selbstfürsorge mittlerweile durch meinen Alltag, mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt. Aber ich bleibe am Ball. Die Wolle darf in letzter Zeit einfach entspannt im Schrank stehen. Es wird der richtige Zeitpunkt kommen, um sie zu verarbeiten.

Vor allem hatte das Gespräch aber Auswirkungen im Bereich abnehmen und Selbstwahrnehmung. Je länger ich darüber nachdachte, desto weniger gut fand ich den Gedanken an eine Brust-Op. Notfalls könnte man das ja irgendwann noch machen. Aber im Moment ist diese Idee verworfen.

Wirklich nachhaltig hat sich der Gedanke des Zunehmens gehalten. Zunehmen muss es erst mal nicht sein, aber ich möchte nicht weiter abnehmen. Und keine Kalorien mehr zählen. Wenn es dadurch etwas mehr wird, ist das im Moment ok für mich.

Mein persönliches Fazit unseres Vormittags: Es ist unglaublich, wie viel so ein tiefer gehender Austausch auslösen kann. Der Blick von außen eröffnet oft ganz neue Perspektiven, löst Knoten und gibt manchmal die letzten kleinen Anstöße, die es für bereits vorhandene, aber nicht ausgesprochene Ideen und Veränderungen braucht.

Müsste ich alle kleinen Gedanken, die das Gespräch positiv beeinflusst haben, aufzählen, könnte ich hier noch ewig schreiben. Selbst aus so kleinen Dingen wie der Stichpunkt „Tut mir das gerade gut?“ entstehen unglaubliche Kettenreaktionen, die so viel mehr im Leben beeinflussen.

Danke für deine Zeit, das inspirierende Gespräch und die schönen Fotos :-*

Portraitieren in 2017

Na Du,

neugierig wie es weiterging? 2017 war ich auf einigen Fotowalks unterwegs. Es entstanden also vermehrt Aufnahmen im Streetstyle. Manchmal gestellt, manchmal natürlicher. Es machte mir Spaß Menschen mit dem gleichen Interesse zu treffen, unterwegs zu sein.

Hin und wieder standen aber auch wieder meine „kreativen Portraits“ auf dem Programm und mein Anspruch an mich selbst wurde höher, die Aufnahmen hochwertiger. Was auch damit zu tun hatte das ich ein paar Workshops besuchte.

Ich durfte außerdem die Hochzeit von Freunden begleiten und ein bisschen Erotik war auch wieder dabei.

Portraitieren in 2016

Hey,

es geht weiter mit meiner fotografischen Zeitreise. 2016 versuchte ich mich an kreativen Portraits mit dem Ringlicht aber auch natürlichen Fotos Outdoor. Portraits im Stil der Straßenfotografie und auch erotischen Aufnahmen standen auf dem Plan. Sogar eine Hochzeit und ein Babybauch waren dabei. Ich ging aber auch oftmals alleine oder mit meiner Familie los und entdeckte spannende Locations und Sehenswürdigkeiten.

Ich probierte alles aus, hatte unheimlich viel Spaß und war voll motiviert.

 

Potraitieren in 2015

Hallo ich grüße Dich,

auch der Reiter „Portraitieren“ soll sich füllen. Drum zeige ich Dir in den nächsten Beiträgen Fotoserien vom Boden der staubigen Kiste… von gaaaaanz weit unten.

Ich beginne mit den Fotoserien aus dem Jahr 2015 als ich begann Menschen vor meine Kamera zu stellen.

T. war eine der ersten die sich immer wieder als Versuchskaninchen zur Verfügung stellte, nicht jammerte und geduldig allen Quatsch, all meine Spinnereien mitmachte. Das ist auch heute immer noch so.

Wir begannen im August’15 mit ganz natürlichen Portraits im Freien. Im Dezember’15 folgte mein erstes Experiment mit Dauerlicht, Farbe und Alltagsdingen wie in diesem Fall Obst. Auch an Bildbearbeitung und Hautretusche versuchte ich mich. Richtig kreativ wurden wir bei der Zombiereihe im November’15. Hier machten wir nicht nur ein aufwändiges Make Up sondern suchten auch einen coolen „Lost Place“ auf.